Gribow 1898 – 1945

Die historische Entwicklung des Rittergutes Gribow

1898 - 1945
Mit freundlicher Genehmigung des "Arbeits- und Strukturförderverein Vorpommern e.V."

1898

enstand das Tagelöhnerhaus und die Stellmacherei. In Gribow waren erstmals russische Arbeiter als Schnitter.

1907

brannte der Schweinestall mit ca. 35 Schweinen ab. Wieder wurde Brandstiftung vermutet. Polnische und tschechische Schnitter arbeiteten in Gribow; einer wurde wegen Aufwiegelei ausgewiesen.

1908

wurde die mittlere Scheune gebaut.

1911/12

verlegte man den Steindamm zwischen Gribow und Gloedenhof.

1921

starb Axel Bunge (Der Gedenkstein auf dem Hügel im Gutspark erinnert an seine 50jährige Arbeit auf dem Gut.)

Gedenkstein zur 50jährigen Arbeit Axel Bunges in Gribow, Foto 2006:

„Zum Andenken an Axel Bunge; Herr auf Gribow und seine 50jährige Arbeit.

In Dankbarkeit die Seinen.

Gribow, 19. Juni 1922″

1933

übernahm Hans-Felix Bunge das Gut Gribow.

97% der Gribower gehörten dem Reichsnährstand an. Einem Gestapo-Lagebrichtzufolge wurden die Wanderarbeiter (Schnitter) in dieser Zeit als staatspolitisches Probleb gesehen, da auf sie wenig politischer Einfluss ausgeübt werden konnte. (20)

getreideernte hans felix
Getreideernte: Hans-Felix Bunge mit Herrn Zander und Herrn Jöhrendt.

1934

richtete eine Maikäferplage in der Landwirtschaft großen Schaden an; die Schulkinder sammelten die Käfer.

Die Gribower Belegschaft bei einem Betriebsausflug zum Schloss Granitz auf Rügen, 1938

auguste bunge 4
1 - Auguste Bunge vor dem 1896 gebauten Pavillon.
img085
2 - Gedenkstein zum 50jährigen Wirken Axel Bunges. Aufnahme 1938
der friedhof in gribow im garten unter den großen linden
3 - Familienfriedhof (von Gloeden und Bunge)
tennisplatz
4 - Tennisplatz mit Blick nach Norden. Um 1930 planiert.
grundriss gribow neu bearbeitet
Der Garten hatte um 1800 nur die Ausmaße zwischen den 4 großen Linden an den Ecken (grüner Punkt). In dieser Zeit wurde auch der Friedhof angelegt. Die Chaussee verlief ursprünglich an der Buchenhecke. 1855/56 erfolgte dann der Bau der heutigen Chaussee. Zwischen dieser und der Buchenhecke standen vorher eine Schmiede und alte Leute Häuser, die abgerissen und "Im Dorfe" neu gebaut wurden. Dieser Teil von der Hecke zur Straße wurde erste nach 1867 von Theodor Bunge erweitert. Die Obstanlage im Westen war direkt von der Hintertür des Hauses zu erreichen. Vom Bullenstall über die Nordoststrecke bis hinter das Gewächshaus verlief die Mauer. Im Bullenstall waren im Winter auch die Deputatkühe der Mitarbeiter untergebracht, die vom Gut mit Grundfutter versorgt wurden.
tauflu
5 - Wegzweigung mit Taufstein hinter dem Gutshaus. Aufnahme von 1917.
ostgiebel
6 - Ostgiebel des Gutshauses von der Gartenseite. Aufnahme von 1922.
westend
7 - Westend - Obstanlage
hühnerturm mit gutshaus
8 - Blick auf das Gutshaus von Süden. Vorne links der Geflügelturm. Hier stand ursprünglich das alte Gutshaus. (1902-
gribow schule
9 - Willi Brackrogge mit seinem Ponygespann (Max) auf dem Grundstück des Gutshauses von der Chausseestrasse. Im Hintergrund die Dorfschule. (1955)
^weg zur
10 - Auffahrt zum Wohnhaus.
ostseite
11 - Park mit Blick auf den Ostgiebel des Gutshaus.

In der Gutswirtschaft Gribow, waren die Erntefeste besondere Höhepunkte. Nach einem Festumzug durf das Dorf schwang man am Abend auf dem Kornboden das Tanzbein. Hierbei ging es mitunter ausgelassen zu. 1938 beteiligten sich auch die jugoslawischen Arbeiter, die in Gribow eingesetzt waren, am Erntefest.

erntefest 1932 2
Erntefest 1929
betriebsausflug 1939 4
Betriebsausflug 1939
betriebsausflug 1939 3
Es ging nach Granitz auf Rügen
festumzug zum erntefest! mittig han felix; annemarie b. mütti.
Erntedank 1935

1941

waren in Gribow/Gloedenhof russische Kriegsgefangene untergebracht.

1943

stürzte auf dem Feld an der Kleinbahn nach Ranzin ein deutsches Jagtflugzeug ab. Der Pilot konnte sich retten. Am 2. Ostertag wurde von Gützkow über züssow bis Tutow Bomben abgeworfen.

1944/45

fielen beim großen Bombenangriff auf Anklam auch Bomben auf die Gribower Gemarkung.

1945

im April wurde Anklam von der sowjetischen Armee besetzt, Greifswald kampflos übergeben.  Am 29.April gegen 22:00 Uhr erreichten die ersten russischen Soldaten Gribow. Am 20. Mai starb Auguste Bunge in Gribow. Ein Gedenkstein im Gutspark erinnert an sie.

Bis Juli wurden sämtliche Gleisanlagen der Kleinbahn demontiert und als Reparationsleistung an die UDSSR geliefert.

Hans-Felix Bunge wurde im Lager Fünfeichen bei Neubrandenburg interniert.

Im Zuge der Bodenreform kam es zur Enteignung der Familie Bunge. Das Gutsland wurde an Neubauern verteilt (44 Wirtschaften in Gribow). Dabei geriet auch versehentlich ein Stück Kirchenland, das die Bunges von der Ranziner Kirchgemeinde gepachtet hatten, mit „unter den Hammer“. Im Kirchenarchiv Ranzin findet sich noch die Korrespondenz zur Rückforderung desselben.

Für die Tiere der Bauern wurden Plätze in den alten Gutsställen zugeteilt. Im November erfolgte dann schrittweise die Zwangsaussiedlung der Familie Bunge.

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