Die historische Entwicklung des Rittergutes Gribow
1945 - 1986
Mit freundlicher Genehmigung des "Arbeits- und Strukturförderverein Vorpommern e.V."
1945
wurde das Gutshaus als Wohnstätte für Vertriebene und Flüchtlinge genutzt. Im Oktober wurde in der alten Schule (Haus Nr 3) der Schulbetrieb wieder aufgenommern. Ein Lehrer unterrichtet 67 Kinder in einem Klassenraum.
1946
erfolgte die Gründung der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB).
1947
wurde die FDJ- und die SED-Gruppe in Gribow sowie die Freiwillige Feuerwehr, die aber noch bis 1959 zur Feuerwehr Ranzin gehörte, gegründet.
1949
rief man erste Sportgruppen (Fussball, Leichtathletik, Tischtennis, Gymnastik) ins Leben. Die Sportler nutzten den ehemaligen Gutshaussaal.
1950
fanden nun wöchentliche Kinoveranstaltungen statt.
In Gribow und Gloedenhof gab es auch noch Nachtwächter. Ein Stützpunkt der Machinen-Ausleihstation (MAS) Schmatzin wurde in Gribow eingerichtet.
1950/51
erfolgte die Einrichtung einer Schule mit 2 Klassenräumen im ehemaligen Gutshaus. In der alten Schule wurde weiterhin der Werkunterricht erteilt. Der ehemalige Tennisplatz wurde als Sportplatz genutzt. In diesem Jahr gab es auch die erste Schulspeisung. Schon bald wurde die Schule Zentralschule mit 8 Klassenräumen und 4 Lehrkräften. Im Keller richtete man ein Ärztezimmer ein.
1955
schlossen sich 19 Bauern zur LPG „Blühendes Land“ zusammen. Im August waren schon alle 54 Neubauern Mitglied. Die LPG gehörte zum Typ III: Tierhaltung und Feldwirtschaft wurden gemeinschaftlich ausgeübt. Das Büro befand sich zunächst im Gutshaus, 1956 wurde es im Haus Nr.27 untergebracht.
In der Kiesgrube legte man einen Schießplatz für die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) an.
1956
wurde für 200 Tiere ein neuer Schweinestall gebaut.
1957
nutzten die Gribower noch gemeinschaftlich ihren Backofen (Nähe Kindergarten/Jugendklub), der erst 1960 abgerissen wurde. Eine Konsum- Verkaufsstelle eröffnete.
1958
erfolgte die Abschaffung der Lebensmittelkarten.
Auf den Einwohnerversammlungen kamen Agitatoren zum Einsatz.
Für die Bauern fanden Winterschulungen zu folgenden Themen statt:
- Gestaltung eines sozialistischen Dorfes
- Rechte und Pflichten der Genossenschaftsbauern
- Der Maisanbau und seine Bedeutung für die Viehwirtschaft
Die letzten Einzelbauern schlossen sich unter Zwang erst 1960 einer LPG an, sodass der Kreis Greifswald in diesem Jahr Vollgenossenschaftlichkeit vermelden kann.
1959
erfolgte die erste Beerdigung auf dem Gribower Friedhof. Vorher wurden die Dorfbewohner in Ranzin beigesetzt.
1959/60
wurde Gribow durch eine Buslinie mit Gützkow und Züssow (Gützkow-Owstin-Upatel-Gribow-Ranzin-Thurow-Züssow) verbunden.
Zwischen 1952 und 1959 verließen 15 Gribower und 21 Glödenhofer die DDR.
Im Dachgeschoss des Gutshauses wurden 2 Wohnungen ausgebaut. Die Bewohner legten sich hinter dem Gutshaus ihre Gemüsegärten an.
1960
schlossen sich 13 Mitglieder zur LPG „Völkerfreundschaft“ Typ I (genossenschaftliche Feld- und individuelle Tierwirtschaft) zusammen. Die LPG „Blühendes Land“ zählze bereits 131 Mitglieder.
1960
wurde der Konsum auf dem Grundstück Nr. 23 gebaut.
1965
hatte Gribow einen gemeindeeigenen Fernseher im ehemaligen Gutshaus (Kulturraum). Es gab nur ein Programm.
In diesem Jahr wurde auch die Baugenehmigung für die Tankstelle auf dem LPG-Gelände Richtung Züssow erteilt.
1966
wurde von der Gribower Gemeindevertretung ein kurioser Entschluss gefasst: Im Gutshaus sollte ein Gemeinschaftsbad eingerichtet werden. Der Preis für ein 40-Minuten-Warm-Bad wurde auf 70 Pfennige und der für ein 30-Minuten Duschbad auf 50 Pfennige festgelegt. Leider schloss das Bad aber bereits im folgenden Jahr wieder, denn die Gribower machten kaum Gebrauch davon.
1971
litt die Landwirtschaft unter der großen Trockenheit im Sommer und hatte erhebliche Ertragsausfälle zu verzeichnen.
1972
nahm man die Unterteilung der landwirtschaftlichen Betriebe in Pflanzen- und Tierproduktion vor.
In Gribow wurden Wasserleitungen gelegt.
1973
gehörte die LPG Gribow der neu gegründeten KAP (Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion) Ranzin an. Die KAP bewirtschaftete die Ackerflächen ihrer Mitglieder und versorgte deren Tierbereiche mit Futter. Sie war kein wirtschaftlich selbständige Einheit.
1975
wurde die B 111 asphaltiert.
1978/79
wurde eine Ferkelaufzuchtanlage (FAZA) für die Wolgaster Schweinemastanlage in Gribow gebaut.
In diesem Jahr war der Wintereinbruch besonders hart. Bereits Ende Dezember waren Gribow und Gloedenhof von der Außenwelt abgeschnitten und die Stromversorgung brach zusammen. Die Bevölkerung ging zur Selbstversorgung über, bis nach einer Woche dann endlich mit Hilfe eines Panzers der Durchbruch erreicht werden konnte.
1980/81
wurde die Gribower Schule aufgelöst. Das Gutshaus nutzte man weiterhin als Wohnhaus und bis 1986 als LPG-Küche und Lehrlingswohnheim. (Seit 1975 war die Schule nur Teiloberschule bis zur 4. Klasse.)
In den 80er Jahren gab es im Gutshaus auch den Jugendklub und eine Frisierstube.
1984
wurde die Mülldeponie in der Kiegrube angelegt.
1986
wurde im Haus 21 die Gaststätte „Bauernstube“ eingerichtet, die von den Gribowern „Blaues Wunder“ genannt wurde.
