Die historische Entwicklung des Rittergutes Gribow
Gribow im Besitz der Familie Bunge
1863
kaufteTheodor Bernhard Bunge von seinem verschuldeten Onkel mütterlicherseits, Carl Gustav von Gloeden, das Gut Gribow. Da Bunge bürgerlicher war, musste dafür die Zustimmung der Lehnsritter eingeholt werden.
Das Gut Gribow stand bis 1867 noch in Pacht, sodass die Familie erst in diesem Jahr übersiedeln konnte.
Bereits im ersten Jahr begann Theodor Bernhard Bunge mit dem Bau von Drainage und Wirtschaftsbauten in Gribow
Doch Axel Bunge gestaltete nicht nur die Gutswirtschaft nach modernen Verhältnissen um, er war auch:
– Mitbegründer der Züssower Molkerei GmbH
– 1896 Mitbegründer und Aktionär der „Kleinbahngesellschaft Greifswald-Jarmen“
Axel Bunge (Junior) erinnert sich:
„Ungefähr in der Mitte unseres Wohnhauses, auf der Rückfront, war ein kleiner Anbau. Dort wurde auf die primitivste Weise die Milch zu Butter verarbeitet. Große Blechschüsseln wurden mit Milch gefüllt und am nächsten Tag abgerahmt und im Butterfass zu Butter verarbeitet. Ich kann es heute nicht mehr genau sagen, ob Kutscher Hermann die Butter am Sonnabend nach Greifswald fuhr oder ob sie in Fässern zur Eisenbahnstation Züssow, ungefähr 4 km von Gribow, an der Chaussee nach Wolgast gelegen, kam, um dort nach Berlin zu gehen. Um 1890 wurde in Züssow eine Molkerei GmbH gegründet, und von da an ging die Milch dort hin.“
1886
wurde die Schmiede gebaut.
1888
brannten das Wirtschaftshaus und der Hühnerstall ab. Für die „Leute“ musste vorerst im Haus gekocht werden.
Am 26.6. brannte dann auch das ca.300 Jahre alte Herrenhaus ab. Vermutlich hatte die Köchin mittags mit Hobelspänen angeheizt, die brennend durch den Schornstein flogen und das rohrgedeckte Dach entzündeten.
Am 1.11. wurde das neue Herrenhaus, noch im Rohbau, bezogen. (Bis dahin hatte die Familie Bunge im Dorfschulhaus gewohnt) Für den Hausbau sowie den Bau des Kornspeichers 1889 wurden Eichen aud den Wäldern gerodet.
Axel Bunge (Junior) erinnert sich an den Holzhof:
„Hinter dem Haus war auch der Ententeich. Neben und hinter ihm war der Holzhof. Wie der Name schon sagt, diente der Holzhof zur Verarbeitung und Aufbewahrung des Nutz-,Bau- und Brennholzes. Zum Brennholz wurden auf dem Hof nur die wenigen Abfälle, des Nutz- und Bauholzes verarbeitet, das andere Brennholz wurde gleich im Wald fertig gemacht; wenn es trocken war,wurde es im Frühling oder Sommer gelegtlich in den Holzstall geholt.
Das Nutz- und Bauholz wurde auf folgende Weise verarbeitet, und zwar noch bis 1906 oder 07, als ich erster Wirtschafter in Gribow war. In den Wintermonaten kamen aus Gützkow zwei Zimmerleute, um in der arbeitsschwachen Zeit Geld zu verdienen. Die Bäume wurden auf zwei gegen- überliegenden Seiten mit dem Beil behauen, dann wurde auf der einen Seite an jedem Stammende eine durch verkohltes Holz geschwärzte Schnur angebracht, in der Mitte mit den Fingern gelüftet und dann losgelassen. Dadurch war ein schwarzer Strich zu sehen, dieser wurde nach bestimmten Abständen, je nachdem wie stark das Holz geschnitten werden sollte, wiederholt. Die Bäume wurden dann mittels eines hölzernen Windebocks auf zwei hohe Böcke gebracht, so hoch, daß ein Mann mit ausgestreckten Armen darunter stehen konnte; die bezeichnete Seite nach oben. Der eine Zimmermann stand unten, der andere oben und führte die Säge an dem Strich entlang. Durch den Zug der Männer, auf und runter, wurde gesägt.“
1891
brannte durch Brandstiftung der Kuhstall ab.
Zum Kuhstallbrand erinnerte sich Julie Bunge in ihren Aufzeichnungen zur Familienchronik wie folgt:
„Kuhstallbrand am 25. Oktober 1891
Mütting weckt uns gegen 2:30 Uhr früh: Der Kuhstall brennt!! (…) Himmelhoch schlugen die Flammen, ein brennendes Tier stand an der Mauer des Misthofes. Dann erzählte man uns, daß einige Kälber draußen auf dem Acker herumliefen. Aber die schönen bayrischen Ochsen hatte man nicht losbinden können, auch eine der beiden Mutterstuten verbrannte.
Dann wurde bemerkt, daß an der großen Krippe bloß 11 tote Ochsen lagen. Also ist ein Ochse wohl rausgeholt und fortgebracht worden. Vermutlich hatten die Feueranleger den fortgeschafften Ochsen verkauft. Es war die Nacht zum Sonntag. Der Gützkower Gendarm Range war sehr in Tätigkeit mit Leute ausfragen und dergleichen. (…) Man bekam nach und nach heraus, daß ein Schlachterwagen aus Wolgast das Ranziner Chausseehaus nachts passiert hatte, dort war ein Schlagbaum, der in der Nacht geschlossen war. (…) Es wurde festgestellt, daß der Ochse auf der Tenne geschlachtet worden und nach Wolgast verschoben worden war. Von den Gribowern kam hierfür Strübing ins Gefängnis, (…)
Die Verhaftung Strübings und weiterer 2 Arbeiter wird in einer Meldung an den Regierungspräsidenten in Stralsund (LA, Rep.65c Nr.1108, S. 244.) bestätigt.
1892
wurde der neue Kuhstall und der Pavillion im Gutsgarten gebaut.
1893
erfolgte der Bau des Bullenstalles.
1896
führte die Greifswald-Jarmener-Kleinbahn(GJK) am Haus Chausseestraße 17 entlang durch Gribow. Der Ort erhielt einen Haltepunkt (Wellblechhütte-Standort heute Bushaltestelle-Feuerwehr -1950 abgerissen). Ursprünglich sollte die Strecke durch Dammbeck verlaufen. Der dortige Gutsbesitzer zeigte aber kein Interesse. Axel Bunge hingegen stellte sein Grundstück kostenlos zur Verfügung und holte damit die Kleinbahn nach Gribow. Mit der Kleinbahnstrecke wurde die Brücke über den Swinowbach Richtung Ranzin gebaut.
Die Kosten der Gleisarbeiten auf der Nebengleisstrecke mit den Stationen:
Grubenhagen, Behrenhoff, Neuendorf, Fritzow, Gribow, Ranzin betrugen 11.438,37 Mark (LA, Rep.66 Nr. 184, S. 45 RS.)
Die Bahn fuhr mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 11-17 km/h.
Die Gesellschaft Lenz & Co. benannte in einem Vorkostenanschlag vom 26.02.1896 die Kosten für den Kleinbahnbau mit 1.392.000,- Mark (LA. Rep. 65c Nr. 1412, S 45 RS.)
Für das Geschäftsjahr 1909/10 wurden erstmalig Dividenden in Höhe von 3% des Aktienwertes ausgezahlt.
Im Geschäftsjahr 1913/14 erreichten diese einen Spitzenwert von 4,5%. Letztmalig bekamen die Aktionäre für das Geschäftsjahr 1918/19 Gewinne von 2% augeschüttet.
(11 S.282.)
Bedeutung der Kleinbahn für den Güter- und Personenverkehr
- Abtransport von Getreide, Kartoffeln, Holz, Feldsteinen, Kies und Sand; besonders (etwa 50% der Gesamtförderleistung) Zuckerrüben und Rübenschnitzel (Zuckerfabrik Jarmen)
- Verlegung von Feldbahnen zu den Stationen der GJK
- Landarbeitertransporte zu den Gütern.
- Ausflugsverkehr von Greifswald und Verkehr an Markttagen nach Greifswald.
- Förderung der Entwicklung der Gaststätten z.B. in Weitenhagen und Potthagen (Bahnhofsgaststätte, „Zur Schwedenschanze“)
(11,S.278 ff.)
Einnahmen und Ausgaben der Pommerschen Kleinbahnen für den Monat Dezember 1911.
Von September 1897 bis Mai 1945 war die GJK die wichtigste Verkehrsverbindung zwischen den Kleinstädten Gützkow und Jarmen sowie den Gemeinden und Gütern. Eine 12 km lange Strecke verband die Orte Dargezin, Fritzow, Gribow und Ranzin mit Züssow.
Zunächst wurde der Zugverkehr mittels Dampflok betrieben, 1935 kam der erste Dieselbetriebwagen zum Einsatz. Im Volksmund hieß die GJK „Der fliegende Jarmener“. (12,S9ff.)
Durch die Zuckerrübentransporte besaß die GJK eine stabile wirtschaftliche Grundlage. .Dabei wirkten sich schlechte Ernteergebnisse (u.a. 1924 und 1927) direkt auf die Beförderungsmenge und somit auf die Einnahmen der Bahn aus.
Der Rübentransport bewirkte auch, dass die Hauptmonate der im Güterverkehr die Erntemonate November und Oktober waren (11, S.278 f.)
Zusätzlich zum Bau der Kleinbahn nutzten die einzelnen Güter Feldbahnen. Diese be-standen aus kurzen zusammensetzbaren Eisenbahnschienen, die man auf dem Acker ohne großen Aufwand verlegen konnte.
So konnten Wagen auf Schienen auch schwer beladen werden, ohne im Boden einzusinken. Sie wurden von Pferden gezogen und hatten direkten Anschluss an die Gleisen der GJK (Greifswald-Jarmen-Kleinbahn). (19,S. 63.)
Die Bahnstrecke belebte auch den Personenverkehr zwischen Greifswald und der Umgegend. Besonders an den Wochenenden herrschte ein reger Ausflugsbetrieb. Das wirkte sich positiv auf das Gastgewerbe aus:
Der Oberweichenwärter August Lewerenz in Dargezin war nicht nur Fahrdienstleiter, sondern auch Gastwirt. Er soll seine Gäste zu jeder Tages- und Nachtzeit versorgt haben. Gingen die Vorräte – besonders das Bier – einmal aus, so wurde der nächste Zugführer, der in Richtung Greifswald fuhr, mit der Nachschubbeschaffung beauftragt. Die Greifswalder Brauerei befand sich ja gleich in der Nähe des Bahnhofes. Ein besonderes Original soll auch der Gastwirt Freude im Bahnhofsrestaurant Potthagen – Weitenhagen gewesen sein. Bereits von der Veranda der Gastwirtschaft aus, zählte er die Waggons der Bahn. Waren es viele, so teilte er seiner Frau in der Küche lautstark mit: „Mudder, bäut den tweiten Kätel an, hei hett wedder allerhand achter sick an´n Haken!“
Gastwirt im „Lindenkrug“ war dafür bekannt, dass er die angeheiterten Studenten nach ihren Ausflügen mit der Petroleumlampe zum Bahnhof geleitet. (12, S.10 ff.)
